„Es gibt oft eine Art Schock, was die geringe Offenheit der Deutschen angeht.“

11. Feb. 2026

Christina Mecke (27), Referentin für die Themen Flucht, Asyl und Migration in der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen, beschreibt, was das Ankommen in Deutschland erschweren kann.

Frau Mecke, was sind die größten Hürden, wenn man als Erwerbsmigrantin oder Erwerbsmigrant nach Deutschland kommt?

Man muss es überhaupt erst einmal bis zum Ankommen schaffen. Die deutschen Auslandsvertretungen sind ein Flaschenhals. Allein Visa zu beantragen, ist schwierig, gerade in afrikanischen Ländern: zum Beispiel, weil Deutschland gar nicht in jedem Land eine Auslandsvertretung hat; weil diese Vertretungen für viele Menschen so schwer zu erreichen sind, dass sie sich nicht einmal die Anfahrt dorthin leisten können; weil es gar nicht genügend Personal in den Auslandsvertretungen gibt; und weil viele Menschen nicht über die geforderten Dokumente verfügen und auch nicht vorab über die Voraussetzungen informiert werden.

Und wenn man es doch bis nach Deutschland geschafft hat, welche Hürden erwarten einen dann?

Es gibt oft eine Art Schock, was die geringe Offenheit der Deutschen angeht. Dass die Menschen hier zum Beispiel nicht unbedingt zum Small Talk neigen, bedeutet natürlich nicht, dass die deutsche Bevölkerung kalt ist. Nur kommen die Migrantinnen und Migranten eben oft aus Ländern, in denen man schneller ins Gespräch kommt. Erwerbsmigrantinnen und -migranten können sich besser darauf einstellen als geflüchtete Menschen, denn sie haben meist im Vorfeld mehr Informationen über die deutsche Gesellschaft. Das kalte Wetter kann übrigens auch eine Rolle spielen. Wenn man aus einem wärmeren Land kommt und hier ständig friert, erschwert das das Wohlbefinden und damit das Ankommen sicher auch. Daran lässt sich aber natürlich wenig ändern.

Das Wetter hier können wir nicht ändern, aber vielleicht hat Deutschland andere Stärken, die es als Zielland zum Beispiel für Fachkräfte attraktiv machen?

Wir haben auf jeden Fall Stärken. Wir haben zum Beispiel ein bezahlbares Bildungssystem, das ist gerade bei ausländischen Studierenden sehr beliebt. In anderen Ländern müssen sie sich für ein Studium mit vielen tausend Dollar verschulden. Weitere Stärken sind Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Die müssen wir bewahren. Wenn wir Menschen dann Perspektiven aufzeigen, dass sie teilhaben können an dieser Gesellschaft, dass sie eine Bleibeperspektive bekommen, dass sie auch Chancen auf die deutsche Staatsangehörigkeit haben, dann ist Deutschland sicher attraktiv.

Sie beschäftigen sich als Referentin für Flucht, Asyl und Migration auch intensiv mit der Lage geflüchteter Menschen. Ist es für abgelehnte Flüchtlinge ein gangbarer Weg, in ihr Herkunftsland zurückzukehren und dann mit einer Arbeitserlaubnis ein zweites Mal in Deutschland „anzukommen“?

Das wird nur in seltenen Fällen gelingen. Die Umstände im Herkunftsland sind ja oft extrem schwierig. Wenn sie da verfolgt sind – von staatlicher Seite, von Banden, oder vielleicht von Familienangehörigen – dann wird das extrem gefährlich. Die Menschen müssten in dem jeweiligen Land auch erst einmal einen Termin bei der deutschen Botschaft bekommen, überhaupt zur Botschaft gelangen, über alle geforderten Dokumente verfügen, um dann eventuell nach langem Warten eine Genehmigung zu erhalten. Da kann man Ihnen schlecht raten: Geht zurück und hofft, dass ihr in zwei Jahren vielleicht über einen Arbeitstitel einreisen dürft. Es gibt hierfür einfach keine Garantie.

Foto: KWA.

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