„Die kommen nach Deutschland, werden aber langfristig in englischsprachige Länder weiterziehen.“

11. Feb. 2026

Weniger die Arbeitsbedingungen als die deutsche Sprache sind aus Sicht von Christina Mecke (27) eine Hürde für die Integration in die deutsche Arbeitswelt. Sie ist Referentin für die Themen Flucht, Asyl und Migration in der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen.

Wie kann eine Integration in die deutsche Arbeitswelt gelingen?

Die Arbeitskultur und die Arbeitsbedingungen in Deutschland sind, wie ich es wahrnehme, kein so großes Problem – wenn wir jetzt nicht gerade von den Arbeitsbedingungen eines bulgarischen Arbeiters in der deutschen Fleischindustrie oder Ähnlichem reden. Nehmen wir eine IT-lerin aus Indien. Es gibt ja Abkommen mit Indien, die die Migration gerade solcher Fachkräfte fördern sollen. In ihrem Fall werden weniger die Arbeitsbedingungen, sondern vielleicht eher die Sprache die Integration in unserer Arbeitswelt erschweren.

Deutsch gilt als besonders schwierig?

Deutsch gilt bei vielen Erwerbsmigranten als sehr schwierig. Für Menschen aus Indien sind die USA oder Großbritannien schon deshalb attraktiver. Dahin kommen sie aber gar nicht so leicht und nehmen Deutschland daher als Sprungbrett. Das gilt zum Beispiel auch für viele Erwerbsmigrantinnen und -migranten aus Nigeria. Die kommen nach Deutschland, werden aber langfristig in englischsprachige Länder weiterziehen, vor allem in die USA. Dagegen kann man wenig machen. Vielleicht könnten aber deutsche Behörden pragmatischer werden und auch Englisch als Sprache anbieten. Deutsch ist hier die Amtssprache und viele behördliche Informationen sind nur auf Deutsch erhältlich. Wenn man daran als indische IT-Fachkraft scheitert, außerdem merkt, dass es in vielen deutschen Städten kaum bezahlbaren Wohnraum gibt, und dann vielleicht noch Erfahrungen mit Rassismus hinzukommen, dann wählt man vielleicht lieber ein anderes Land.

Wie sieht es mit der Arbeitsintegration von geflüchteten Menschen aus, sofern sie eine Arbeitserlaubnis haben?

Viele geflüchtete Menschen haben natürlich das Problem, dass sie nicht so richtig im Arbeitsalltag ankommen können, weil viele von ihnen Traumata haben und sich zudem oft große Sorgen um Familienangehörige machen müssen. Das sehen wir ganz stark bei den „subsidiär Schutzberechtigten“, die nach einer neuen Gesetzesänderung ihre Familien nicht mehr nachholen können. Diese Menschen dürfen hier zwar arbeiten, werden aber nicht richtig ankommen, wenn sie sich permanent um ihre Angehörigen sorgen, die in Ländern zurückbleiben, in denen Kriege und Gewalt herrschen. Wenn ich weiß, dass mein Vater, meine Schwester oder meine Kinder in Gefahr sind, dann fällt es schwer, mir ein soziales Netzwerk aufzubauen und mich in die Arbeit zu stürzen.

Wenn man gelingende Integration will, müsste man auch den Familiennachzug erleichtern?

Ja, das sagt die Migrationsforschung schon seit langem. Passt aber nicht in die gesellschaftliche Stimmung.

Foto: KWA.

Ähnliche Beiträge